ACCOUNTSPERREN

Bei einer plötzlichen Sperrung eines Accounts kann die Frustration groß sein. Häufig erfolgt keine Begründung für die Sperrung oder lediglich ein allgemeiner Verweis auf einen Verstoß gegen Gemeinschaftsstandards oder Nutzungsbedingungen. Betroffene erhalten dadurch keine Möglichkeit, sich zu einem konkreten Verhalten zu äußern oder dieses künftig zu vermeiden. Hinzu kommt, dass nahezu alle Plattformen Sperrungen als automatisierte Verfahren durchführen. Die Mitteilung erfolgt über generisch formulierte E-Mails. Der Eindruck entsteht schnell, dass man chancenlos ist. Und doch zeigt unsere Erfahrung aus der Praxis: Mit dem richtigen Vorgehen und etwas Geschick lässt sich in vielen Fällen eine Entsperrung auch ohne anwaltliche Hilfe erreichen.

Unsere Checkliste für Sie - kurz & knapp:

  1. Legen Sie Widerspruch gegen die Accountsperre ein: Wie das geht, zeigen wir Ihnen weiter unten.
  2. Kontaktieren Sie die Plattform auch per E-Mail: Meldungen und Widersprüche funktionieren oft besser per E-Mail oder spezialisierter Meldeformulare als über plattformeigene Meldesysteme. Eine Vorlage für eine E-Mail finden Sie unten.
  3. Führen Sie die Meldungen am Computer durch. Dort funktioniert die Meldung meist besser als am Smartphone. Teilweise sind Meldewege nur in den Desktop-Versionen der Plattformen überhaupt verfügbar.
  4. Beweise für die abgegebene Meldung lassen sich einfach sichern, indem Screenshots erstellt oder die E-Mails abspeichert werden. Achten Sie darauf, dass Datum und Uhrzeit sichtbar sind. Falls es später zu einem rechtlichen Verfahren kommt, hat man so alles zur Hand, was man brauchen könnte.  
  5. Verlieren Sie keine Zeit: Ihre ersten Schritte können Sie in wenigen Minuten erledigen – das sollten Sie auch tun. Bitte beachten Sie, dass Internetplattformen in der Regel inaktive Accounts nach einer bestimmten Zeit (oft bereits nach 90 Tagen) endgültig löschen. Sie sollten uns daher umgehend kontaktieren, wenn Ihre ersten Schritte erfolgslos waren. Längeres Abwarten erschwert eine rechtliche Geltendmachung Ihrer Ansprüche.
Bevor Sie anwaltliche Unterstützung in Anspruch nehmen, sollten Sie alle einfachen und kostenfreien Schritte selbst ausschöpfen. So sparen Sie Zeit und Geld – und erhöhen gleichzeitig Ihre Erfolgschancen. Wir haben deshalb einige bewährte Tipps aus der anwaltlichen Praxis für Sie zusammengestellt.
Niels Gehrig
Rechtsanwalt
Hinweise für Content Creator und gewerbliche Accounts

Accountsperrungen können Ihre wirtschaftliche Existenz bedrohen. Sie sollten daher eventuelle Umsatzeinbußen durch die Sperrung sauber dokumentieren. Anwaltlicher Nachdruck kann in diesen Fällen bereits frühzeitig und parallel zu Ihren Maßnahmen zur Selbsthilfe sinnvoll sein. Kontaktieren Sie uns gerne für eine kurze Einschätzung Ihrer Lage.

Die Ausgangslage:

Accountsperrungen sind oft rechtswidrig

Betreiber von Internetplattformen dürfen Accounts nicht grundlos sperren. Die Rechtsprechung hat hierzu klare inhaltliche und formale Anforderungen formuliert. Eine Sperrung darf nur mit einem berechtigten Grund und nach vorheriger Anhörung erfolgen. Bereits deshalb sind Sperrungen oft rechtswidrig. Aber selbst wenn ein Grund angegeben wurde, ist die Sperrung nicht automatisch rechtmäßig. Sie muss verhältnismäßig, begründet und nachprüfbar sein.

Rechtlicher Hintergrund für Interessierte

Sie haben mit Erstellung Ihres Accounts mit der Plattform einen Nutzungsvertrag geschlossen. Indem die Plattform Ihren Account sperrt, verletzt die Plattform diesen zwischen Ihnen und der Plattform geschlossenen Vertrag. Die Rechtsprechung hat außerdem klargestellt, dass bei einer Sperrung die Grundrechte der Nutzer berücksichtigt werden. Diese finden zwar grundsätzlich nicht im privaten Rechtsverkehr Anwendung; in diesen Konstellationen haben die Plattformen allerdings eine solche Monopolstellung bzw. Übermacht, dass die Rechtsprechung anerkennt, dass die Plattformen „wie ein Staat“ handeln. Die Grundrechte der Bürger als Plattformnutzer müssen also berücksichtigt werden („Mittelbare Drittwirkung“ der Grundrechte). Für Sie ist das gut, denn dadurch ist es für die Plattformen viel schwieriger, Accounts einfach zu sperren.

Gerade deshalb sollten Sie alle Vorgänge sorgfältig sichern – insbesondere durch Screenshots (z. B. Sperrhinweise, Ablehnungen von Einsprüchen) sowie durch Archivierung von E-Mails (Kurz: Löschen Sie Ihre E-Mails nicht). Diese Dokumentation kann in einem späteren außergerichtlichen oder gerichtlichen Verfahren hilfreich sein und eine aufwendige Rekonstruktion vermeiden.

Tipp: Die folgenden Maßnahmen können Sie unkompliziert in wenigen Minuten erledigen. Wir empfehlen Ihnen, dies auch zeitnah zu tun. Ein wichtiger Faktor bei Accountsperrungen ist: Verlieren Sie keine Zeit! Haben Sie auch keine Angst davor, Ihre Rechte unbeirrt einzufordern. Bei ungerechtfertigten Accountsperrungen haben Sie einen Anspruch auf Ihren Zugang zu Ihrem Account.

Maßnahmen zur Selbsthilfe

Was tun bei einer Accountsperrung?

Schritt 1: Einspruchs- und Meldewege auf der Plattform

Nach dem Digital Services Act (DSA) sind Plattformbetreiber verpflichtet, Einspruchsmöglichkeiten und Meldewege anzubieten.

Nutzen Sie diese Wege in jedem Fall – auch wenn Sie automatisierte Antworten erhalten sollten. Selbst wenn eine Ablehnung Ihres Einspruchs nur wenige Minuten später erfolgen sollte, ist dieser Schritt wichtig. Indem die Plattform nämlich Ihren Fall nicht entsprechend der rechtlichen Vorgaben des Digital Services Act (DSA) behandelt, handelt sie rechtswidrig. Das sollten Sie dokumentieren.

Diese Schritte sind für Sie kostenfrei, ohne Anwalt möglich und dienen zugleich der Beweissicherung, falls ein weiteres rechtliches Vorgehen erforderlich wird.

Tipp: Machen Sie Screenshots von den Meldungen. Sollte Ihr Einspruch abgelehnt werden, dokumentieren Sie dies ebenfalls durch Screenshots oder Speicherung der betreffenden E-Mails. Im Idealfall sollte das Datum erkennbar sein, damit später nachvollziehbar ist, wann Ihr Einspruch abgelehnt wurde.

Die Meldewege sind nicht immer einfach zu finden. Teilweise sind Meldewege auch nur auf der Desktop-Version der Internetplattform aufrufbar. Die Meldewege der gängigsten Plattformen haben wir hier für Sie zusammengetragen:

Plattformen Meldewege:

Schritt 2: Kontaktaufnahme per Mail mit Fristsetzung

Wenn der Einspruch innerhalb der Plattform nicht erfolgreich war, empfehlen wir Ihnen, zusätzlich eine E-Mail direkt an den Support der jeweiligen Plattform zu senden. Dies ist ebenfalls kostenfrei und ohne Anwalt möglich.

Tipp: Die Kontaktaufnahme per E-Mail gibt Ihnen zusätzlich die Möglichkeit, der Plattform eine Frist zur sachgerechten Überprüfung der Sperrung zu setzen. Dies sollten Sie unbedingt tun und auch dokumentieren. Damit setzen Sie die Plattform unter Druck und können diese in Verzug setzen. Das kann Ihnen später in einem außergerichtlichen oder gerichtlichen Verfahren helfen. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, nehmen Sie parallel zu den vorgegebenen Meldewegen Kontakt per E-Mail auf.

Die E-Mail müssen Sie nicht aufwendig verfassen. Wichtig ist allein, dass Sie sämtliche Daten zur Identifikation Ihres Accounts nennen. Nutzen Sie einfach unseren Textbaustein und passen Sie diesen in wenigen Minuten auf Ihren Fall an. Dokumentieren Sie auch diesen Schritt einfach, indem Sie die E-Mail im Anschluss nicht löschen und auch eine etwaige (auch automatisch generierte) Antwort der Plattform speichern

Textbaustein für Ihre E-Mail

Betreff: Widerspruch gegen Accountsperrung [@Benutzername] – Bitte um Überprüfung

Sehr geehrtes Support-Team,

mein Benutzerkonto auf Ihrer Plattform wurde gesperrt.

Leider wurde mir kein konkreter Grund mitgeteilt [und/oder es erfolgte keine vorherige Anhörung]. Ich bitte Sie daher um eine Überprüfung und Begründung der Sperrung sowie um eine umgehende Reaktivierung meines Accounts.

Nach Art. 17 DSA habe ich Anspruch auf eine nachvollziehbare Begründung und eine faire Überprüfung der Maßnahme. Bitte teilen Sie mir daher mit:

  • den konkreten Sperrgrund,
  • die Dauer der Sperrung,
  • sowie Ihre Möglichkeit zur Überprüfung/Widerspruch.

Hier sind meine Angaben zur Identifikation:

  • Benutzername: [Ihr Benutzername]
  • Registrierte E-Mail-Adresse: [Ihre E-Mail-Adresse]
  • Link zum Profil (sofern möglich): [Profil-URL]

Ich bitte um Entsperrung oder schriftliche Rückmeldung mit Begründung innerhalb von 7 Tagen.

Mit freundlichen Grüßen
[Ihr vollständiger Name]

Senden Sie diese E-Mail an die Support-Adressen der Internetplattform. Für die gängigsten Internetplattformen haben wir Ihnen eine Auflistung der Support-Adressen zusammengestellt:

Plattformen Support Adressen:

Facebook

impressum-support@support.facebook.com
(ggf. nicht öffentlich errreichbar – dann Formular nutzen)

impressum@support.instagram.com
(ggf. nicht öffentlich errreichbar – dann Formular nutzen)

legal-support@x.com

(ggf. nicht öffentlich errreichbar – dann Formular nutzen)

business-support@google.com

(bei Maps/Unternehmensprofilen)

Tipp: Beachten Sie, dass nicht alle Plattformen zuverlässig auf E-Mails reagieren. Nutzen Sie daher parallel unbedingt die offiziellen Meldeformulare (siehe oben). Auch diese Kontaktaufnahme sollte dokumentiert und gespeichert werden (z. B. als PDF, Screenshots oder E-Mail-Archivierung).

Anwaltliches Vorgehen

Professionelle Unterstützung für Sie

Sollten Ihre ersten Bemühungen ohne Erfolg bleiben, unterstützen wir Sie gerne. Da die Meldeverfahren auf Internetplattformen oft automatisiert erfolgen, findet eine sachliche Nachprüfung meist nicht statt. Wir bereiten Ihren Sachverhalt für Sie auf und gehen auf mit unserem anwaltlichen Abmahnschreiben dezidiert auf sämtliche mit der Accountsperrung verbundene Rechtsverletzungen ein.

Leider reagieren Plattformen oftmals erst, wenn ein anwaltliches Schreiben versendet wird, da in diesem Fall mit einer gerichtlichen Inanspruchnahme gerechnet werden muss und die Plattformen sich einer Nachprüfung nicht mehr entziehen können.
Dr. Sebastian Volk
Rechtsanwalt / Mediator

Tipp: Auch hier sollten Sie keine unnötige Zeit verlieren, da Internetplattformen Accounts nach einem bestimmten Zeitraum löschen. Außerdem haben Sie auch mehr rechtliche Handlungsoptionen (z.B. mit einem einstweiligen Verfügungsverfahren), wenn die Accountsperrung noch nicht zu lange zurückliegt. Orientieren Sie sich gerne an der 7-Tages-Frist in unserer E-Mailvorlage und kontaktieren Sie uns, sobald sich ein fruchtloser Fristablauf andeutet. Eine Anfrage bei uns kostet Sie noch nichts, wir können Ihren Fall aber dann bereits einordnen und kurz mit Ihnen abstimmen, ob eine Beauftragung sinnvoll erscheint. Sofern Sie uns dann beauftragen möchten, bieten wir Ihnen stets – auch kurzfristig – einen Besprechungstermin an, in dem wir Ihren Fall mit Ihnen umfassend erörtern.

Wenn Sie uns kontaktieren, besprechen wir:

  • Ob die Sperrung rechtswidrig war
  • Ob ein rechtliches Vorgehen sinnvoll ist
  • Welche rechtlichen Schritte möglich sind
  • Wie eine schnelle Reaktivierung erreicht werden kann

Wenn Sie uns beauftragen, bieten wir Ihnen:

  • Transparente Pauschalpreise für außergerichtliche Verfahren

     

  • Expertise einer spezialisierten IT-Rechtskanzlei und eingespielte Abläufe

     

  • Zeiteffiziente, zielgerichtete und maßgeschneiderte Bearbeitung Ihres Falles unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände, persönliche wie unternehmerische

Wir teilen Ihnen noch vor einer Beauftragung mit, wenn wir ein anwaltliches Vorgehen (noch) nicht für nötig halten. Wir sind keine Befürworter der Plattformpolitik, erst tätig zu werden, wenn Rechtsdurchsetzung droht. Wie Sie unseren Blogbeiträgen entnehmen können, haben wir schon viele Kämpfe mit Internetplattformen ausgetragen und hier Pionierarbeit geleistet. Wenn wir Möglichkeiten sehen, wie Sie ohne uns zu Ihrem Ziel kommen und die Plattform zu einer Reaktion veranlassen können, dann freut uns das im Sinne einer wirksamen Plattformregulierung. Wenn wir aber denken, dass wir Sie in Ihrer Angelegenheit, insbesondere aufgrund der Risiken einer Sperrung, effektiv unterstützen können, handeln wir schnell und bieten Ihnen kurzfristig Beratungstermine an.

 

Durch unsere Spezialisierung in diesem Bereich können wir Ihnen nicht nur eine fundierte rechtliche Prüfung, sondern auch eine schnelle und effektive Bearbeitung bieten – bei gleichzeitig voller Kostenkontrolle.

 

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